Neues MZEB schließt Versorgungslücke

Das Medizinische Zentrum für erwachsene Menschen mit Behinderung (MZEB) in Ingolstadt startet am 1. Juli. Hier arbeiten verschiedene Facharztrichtungen sowie Heil- und Hilfsberufe zusammen.

„Das war auch für uns in Ingolstadt ein langer Weg“, fasst Peggy Glaschke ihren Bericht zusammen, „aber jetzt sind wir froh, erwachsenen Menschen mit Behinderungen eine für ihre Bedarfe qualifizierte medizinische Versorgung bieten zu können.“

Die betriebliche Leiterin des neuen Medizinischen Zentrums für erwachsene Menschen mit Behinderung (MZEB) in Ingolstadt betont, dass sich der Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. als Träger des Hollerhaus von Anfang an für eine bessere medizinische Versorgung seiner Klienten stark gemacht hat. „Schon seit den 90er Jahren wurde von den Verbänden der Behindertenhilfe und von Selbsthilfeorganisationen auf die unbefriedigende Situation von erwachsenen Menschen mit Behinderung im medizinischen System aufmerksam gemacht. Passiert ist aber lange Zeit nichts. Erst die Ratifizierung der UN-Behindertenkonvention in Deutschland von 2009 und eine Initiative auf dem Deutschen Ärztetag 2008 in Ulm haben Bewegung in dieses Anliegen gebracht.“

Für Kinder und Jugendliche mit Behinderung gab es seit den 1980er Jahren eine entsprechende medizinische Versorgung in den Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ). „Mit dem Übergang in das Erwachsenenalter fanden diese Patienten dann jedoch keine entsprechenden Versorgungsstrukturen mehr vor“, erläutert Peggy Glaschke. „Natürlich brauchen auch erwachsene Menschen mit mehrfachen und komplexen Behinderungen eine auf ihre Bedarfe angepasste Versorgungsqualität.“

Als dann 2015 der Gesetzgeber durch das Versorgungsstärkungsgesetz (Einfügung der §119 c, § 43b und Ergänzung des §120 in Abs. 2 und 3 in das SGB V) endlich die gesetzlichen Grundlagen schuf, hat auch das Hollerhaus seine Pläne zur Gründung eines MZEB in Ingolstadt vorangetrieben. Es wurde dazu eine Tochtergesellschaft, die ProNobis Ingolstadt gGmbH, gegründet und es wurden erfolgreiche Verhandlungen mit dem Zulassungsausschuss Ärzte – Oberbayern aufgenommen. Mit dem Start des neuen MZEB in Ingolstadt gibt es nun bundesweit 81 Zentren, neun davon in Bayern. Neben Ingolstadt sind das Einrichtungen in Würzburg, Nürnberg, Augsburg und München.

Für Menschen mit schwerer geistiger und mehrfacher Behinderung verbessert sich durch die interdisziplinäre und multiprofessionelle Versorgung in den medizinischen Zentren ganz konkret ihre Lebenssituation. „Endlich finden sie“, so Peggy Glaschke, „eine ihrem Bedarf entsprechende ambulante medizinische Versorgung. Unsere Klienten haben ja oft nicht nur komplexe Krankheitsbilder. Zumeist ist es für sie auch besonders schwierig, Symptome bei sich selbst richtig wahrzunehmen, zu äußern und zu benennen. Ärzte und medizinisches Personal brauchen einfach sehr viel mehr Zeit, eine geschulte Aufmerksamkeit und Erfahrung, um herauszufinden, was den Patienten eigentlich fehlt. Hinzu kommt, dass manche der Patienten im Laufe ihres Lebens Ängste im Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen aufgebaut haben. Da bedarf es dann besonderem Einfühlungsvermögens, um Vertrauen zu schaffen.“

Im MZEB arbeiten verschiedene Facharztrichtungen (z.B. Neurologie, Psychiatrie, Neuropsychologie, Innere Medizin, Rehabilittive Medizin) sowie Heil- und Hilfsberufe (z.B. Physiotherapie, Logotherapie, Ergotherapie, Heilpädagogen) zusammen. Auch Sozialpädagogen und Heilerziehungspfleger sind Teil des Teams. So ergibt sich ein ganzheitlicher Zugang zum Patienten. Auch das zur Verfügung stehene Zeitbudget ist deutlich größer, die Räumlichkeiten sind barrierefrei.

Das Team des neuen MZEB: Prof. Dr. med. Rudolf Preger (Fachärztlicher Leiter), Peggy Glaschke (Betriebliche Leitung) und Diane Rasch (Therapeutische Leitung)

„Das MZEB ist ein ergänzendes Angebot und bildet nach Haus- und Facharzt die dritte Stufe in der ambulanten Versorgung“, erläutert Peggy Glaschke. „Es verbessert ganz konkret die medizinische Versorgung. Wir wollen aber auch dem gesamten System etwas zurückgeben, indem wir zum Beispiel gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse mit Hilfe von Schulungen weitergeben. Leider gestaltet sich auch die stationäre Versorgung von erwachsenen Menschen mit Behinderung weiterhin schwierig. Da sind die Erfahrungen, die hier im MZEB gemacht werden, wertvoll für das ganze Gesundheitssystem.“

Wer sich konkret über das MZEB in Ingolstadt und die Zugangsvoraussetzungen informieren will, kann dies auf der Homepage tun: www.pronobis-in.de . Hier finden sich auch Anfahrtsbeschreibung und Kontaktdaten zur notwendigen Terminvereinbarung. Eine telefonische Kontaktaufnahme ist unter der Rufnummer Tel.: 0841 / 13 80 49 – 30 möglich.

Quelle: Konerding/Hollerhaus