Bayerische Hebammen tagen in Ingolstadt

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Zur diesjährigen Landestagung hat der Bayerische Hebammen Landesverband seine Mitglieder nach Ingolstadt eingeladen. Dort erhalten rund 470 Hebammen zum Thema „Notfälle in der Hebammenarbeit“ neue Informationen. Die Vorträge greifen die unterschiedlichen Situationen auf, in welchen Notfälle in der Hebammenarbeit auftreten können und zeigen Möglichkeiten auf, diese optimal zu managen. Zusätzlich werden den Hebammen auch Reanimations-Workshops angeboten.

Notfälle in der Hebammenarbeit: Hat dieses Thema überhaupt noch große Relevanz in der Geburtshilfe von heute?

Der Stand der Medizin-Technik, das wissenschaftliche „Know how“ und der Einsatz von beidem sollte das Auftreten von Notfällen in der Geburtshilfe heute eigentlich zum Ausnahmefall machen. Aber dem ist nicht so. „Wir wissen seit geraumer Zeit, was auch durch Studien belegt ist, dass die größtmögliche Sicherheit unter der Geburt für Mutter und Kind nur die Hebamme garantieren kann: und das in einer 1:1 Betreuung.Aber davon sind wir in der täglichen Arbeits-Wirklichkeit in den Kreißsälen weit entfernt. Und auch für die Betreuung der Frauen im Wochenbett daheim nach der Klinikentlassung am dritten Tag fehlt es an genügend Hebammen für eine flächendeckende Versorgung. Das belegen eindeutig die Zahlen der sog. IGES-Studie von 2018, die im Auftrag des Bayerischen Gesundheitsministeriums durchgeführt wurde,“ teilt Mechthild Hofer, 1. Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbands mit. Es sei an der Tagesordnung, dass Hebammen 3 bis 5 Frauen gleichzeitig betreuen müssen, dass Frauen unter der Geburt lange Wege in das nächste Krankenhaus zurücklegen müssen, und dass immer wieder Frauen während der Geburt an der Kreißsaal-Tür abgewiesen werden müssen.

Deshalb fordert der Deutsche Hebammenverband- und damit auch der Bayerische Landesverband das sogenannte „Geburtshilfestärkungsgesetz“. Die 1:1 Betreuung soll Standard in allen Kreißsälen in Deutschland werden: eine Hebamme betreut kontinuierlich nur eine Frau während der Geburt. Die Geburtsleitung soll nicht von einem größtmöglichen Einsatz von Technik und medizinischen Eingriffen geprägt sein. Stattdessen soll ein geschützter Raum in vertrauensvoller Atmosphäre, Geduld, Zeit-und der Mut der Hebamme „Nichts zu tun“, die Geburtsbegleitung prägen. Bis das umgesetzt werden kann braucht es einige Änderungen von Gesetzen und Verordnungen:

Beispielhaft nennt Mechthild Hofer folgende Forderungen:
• Feste Personalanhaltszahlen: Der Hebammenschlüssel muss an die Geburtenzahl der jeweiligen geburtshilflichen Einrichtung angepasst werden.
• Die Hebammen müssen zwingend von professionsfremden Arbeiten entlastet werden. Putzhilfen und Kreißsaalhilfen für Telefondienst, Materialbestellungen, Schreibarbeiten usw. sollten selbstverständlich das Hebammenteam in jedem Kreißsaal unterstützen. So haben die Hebammen mehr Zeit, sich um ihre eigentlich Arbeit zu kümmern, die Betreuung und Begleitung der Frau bei der Geburt

„Wir sind sicher, das wird zu einer Senkung der Kaiserschnittrate von derzeit ca. 34 Prozent führen. Und damit einhergehend auch eine Senkung der mütterlichen Sterblichkeitsrate und eine Reduzierung von Notfällen während der Geburt bewirken. Gänzlich vermeiden lassen sie sich trotzdem nicht: Und dafür muss die Hebamme im Notfallmanagement fit sein, sowohl im Kreißsaal als auch im Wochenbett. Im entscheidenden Moment schnell, umsichtig und ruhig das Richtige tun – dazu wollen wir an unserer Landestagung einen Beitrag leisten.“

Der Bayerische Hebammen Landesverband e.V. (BHLV) ist der größte Hebammenberufsverband in Bayern und hat rund 2800 Mitglieder. Er vertritt die Interessen aller Hebammen. Im BHLV sind angestellte und freiberufliche Hebammen, Lehrerinnen für Hebammenwesen, Hebammenwissenschaftlerinnen, Familienhebammen, hebammengeleitete Einrichtungen sowie Hebammenschülerinnen vertreten. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist eine gute medizinische und soziale Betreuung der Frauen und ihrer Kinder vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit ein zentrales Anliegen des Verbandes.